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Wärmepumpe: Wann amortisiert sie sich gegenüber Gas?

WRVon der Wärmepedia-RedaktionStand: 3. July 2026Mit Quellen & Rechner
Wärmepumpen-Außeneinheit neben einem Wohnhaus im Vergleich zur bestehenden Gasheizung

Das Wichtigste in 30 Sekunden

Amortisations-Rechner: Wärmepumpe gegenüber Gas

Trage deine Werte ein. Der Rechner zieht die Förderung ab (gedeckelt auf die förderfähigen Höchstkosten von 30.000 € und einen maximalen Zuschuss von 21.000 €) und teilt den Eigenanteil durch die jährliche Ersparnis.

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Die kurze Antwort: Amortisation nach 5-15 Jahren

Es gibt nicht die eine Amortisationszahl. Seriöse Studien und Ratgeber landen bei einer Bandbreite, weil der Ausgang stark von Gebäude, Förderung und Preisen abhängt. Statt einer geschönten Einzelzahl liefern wir drei ehrliche Fälle.

Best Case: 5-7 Jahre

Fußbodenheizung (niedrige Vorlauftemperatur, hohe JAZ), hoher Gasverbrauch als Ausgangsbasis und die volle Förderung von 70 %. Die RWTH-Aachen/Octopus-Analyse nennt für Fußbodenheizung mit Förderung 5-6 Jahre bis zum Ausgleich der Mehrkosten (Vollkostenanalyse, 28.03.2025). Der Sprung von 55 % auf 70 % Förderung senkt den Eigenanteil bei rund 28.000 € Investition um etwa 4.200 € und zieht den Break-even um grob 4-6 Jahre nach vorn.

Real Case: 8-15 Jahre

Der typische Bestand mit Förderung um 55 %, gemischte Heizkörper und durchschnittlicher Verbrauch. Enpal nennt 8-15 Jahre, 1KOMMA5° für den Bestand mit Förderung 7-10 Jahre, Vattenfall rund 8 Jahre in einer 20-Jahres-Modellrechnung. Die RWTH/Octopus-Studie verortet Radiatoren-Fälle mit Förderung bei 8-13 Jahren. Das deckt sich mit unserer Empfehlung, mit 8-15 Jahren zu planen.

Worst Case und Grenzfall: über 15 Jahre oder nie

Radiatoren mit hoher Vorlauftemperatur (niedrige JAZ), niedriger Verbrauch und keine oder geringe Förderung. Die RWTH/Octopus-Analyse ist hier deutlich: ohne Förderung ist die Wärmepumpe mit Radiatoren in vielen Szenarien innerhalb von 20 Jahren nicht wirtschaftlich. Der Studienautor Bastian Gierull (CEO Octopus Energy Germany) fasst es so zusammen, sinngemäß: Eine Förderung bleibt vorerst nötig, damit die Wärmepumpe in allen Gebäuden und Preisszenarien die günstigere Wahl ist.

Erst mal klären: Amortisation gegenüber WAS?

Ein Großteil der widersprüchlichen Zahlen im Netz kommt daher, dass zwei völlig verschiedene Vergleiche durcheinandergehen.

Mehrkosten gegenüber einer neuen Gasheizung (der faire Vergleich)

Wer ohnehin die Heizung tauschen muss, sollte nur die Differenz rechnen: Eigenanteil Wärmepumpe minus Kosten einer neuen Gas-Brennwerttherme. Eine Gastherme kostet im Bestand rund 8.000-15.000 € (Verbraucherzentrale BW: etwa 10.000 €), eine Luft/Wasser-Wärmepumpe 20.000-40.000 € vor Förderung. Nach 55-70 % Förderung liegt der Wärmepumpen-Eigenanteil oft bei 11.000-25.000 €. Auf Basis dieser Mehrkosten fallen kurze Amortisationszeiten von 4-9 Jahren.

Volle Investition gegenüber "alte Heizung weiterlaufen lassen"

Wer die funktionierende Gasheizung eigentlich behalten könnte, muss die komplette Investition gegen die jährliche Ersparnis stellen. Das ergibt logischerweise längere Zeiten, meist 8-15 Jahre. Beide Rechnungen sind korrekt - sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.

Warum im Netz so widersprüchliche Zahlen kursieren

Anbieter zeigen gern den optimalen Fall (Fußbodenheizung, PV-Strom, 70 % Förderung, hoher Verbrauch). SHK-Betriebe rechnen häufig gegen alte Öl- oder Nachtspeicherheizungen, bei denen der Austausch in 3-5 Jahren steht. Neutrale Portale nennen breite Spannen von 10-18 Jahren. Achte immer darauf, gegen was gerechnet wird und ob Wartung und CO2-Preis enthalten sind.

Kostenvergleich Wärmepumpe gegenüber Gas mit Taschenrechner und steigenden Münzstapeln
Der Break-even hängt von Eigenanteil, jährlicher Ersparnis und dem steigenden CO2-Preis ab.

So rechnet man die Amortisation selbst

Die einfache Formel

Amortisationszeit (Jahre) = Eigenanteil nach Förderung ÷ jährliche Ersparnis gegenüber Gas. Für den fairen Vergleich setzt du statt des vollen Eigenanteils die Mehrkosten gegenüber einer neuen Gasheizung ein. Der Rechner oben nimmt dir das ab.

Unsere Annahmen-Box (Stand 2026)

Fußbodenheizung als Voraussetzung für niedrige Vorlauftemperatur und schnelle Amortisation
Fußbodenheizung senkt die Vorlauftemperatur, hebt die JAZ und verkürzt die Amortisation auf 5-6 Jahre.

Die 5 Einflussgrößen, die alles entscheiden

1. Förderung: 55 % vs. 70 % verschiebt den Break-even um 4-6 Jahre

Der stärkste Hebel auf den Eigenanteil. Wichtig: Der Zuschuss wird auf die förderfähigen Höchstkosten von 30.000 € berechnet und ist auf 21.000 € gedeckelt. Rechne also nie einfach "70 % vom Rechnungsbetrag", wenn die Investition über 30.000 € liegt. Den Einkommensbonus (plus 30 %) gibt es nur für Selbstnutzer mit zu versteuerndem Haushaltseinkommen bis 40.000 €.

2. Effizienz (JAZ): reale Feldwerte statt Laborwert

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom herauskommen. Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Anlagen im Bestand gemessen: Luft/Wasser im Mittel 3,4 (Spanne 2,6-4,9), erdgekoppelt 4,3 (3,6-5,4). Bemerkenswert: keine Abhängigkeit zwischen Gebäudealter und Effizienz - Wärmepumpen laufen auch im Altbau effizient, wenn Vorlauftemperatur und Heizflächen passen. Bei 20.000 kWh Wärmebedarf sinkt der Stromverbrauch von rund 5.715 kWh (JAZ 3,5) auf rund 5.000 kWh (JAZ 4,0); ein durchgerechnetes Beispiel bringt die Amortisation dadurch von 8 auf 6 Jahre.

3. Heizkörpertyp: Fußbodenheizung vs. Radiatoren

Der zweitgrößte Hebel. Große Heizflächen erlauben niedrige Vorlauftemperaturen und damit eine hohe JAZ. Genau deshalb trennt die RWTH/Octopus-Studie sauber: Fußbodenheizung 5-6 Jahre, Radiatoren 8-13 Jahre (jeweils mit Förderung). Alte, kleine Radiatoren mit 55 °C Vorlauf sind der häufigste Grund für lange Amortisationszeiten.

4. Gasverbrauch und Dämmzustand (das Altbau-Paradox)

Je mehr Gas heute verbraucht wird, desto mehr Euro spart die Wärmepumpe pro Jahr - und desto schneller amortisiert sie sich. Ein schlecht gedämmter Altbau mit hohem Verbrauch amortisiert die Wärmepumpe oft schneller als ein sparsames Effizienzhaus, bei dem die absolute Ersparnis klein bleibt.

5. Der CO2-Preis auf Gas

Der oft übersehene Beschleuniger. Er verteuert Gas Jahr für Jahr und verkürzt damit die Amortisation - dazu der eigene Abschnitt.

CO2-Preis als Amortisations-Beschleuniger

Der nationale CO2-Preis (BEHG) lag 2024 bei 45 €/t, 2025 bei 55 €/t, für 2026 und 2027 gilt ein Übergangskorridor von 55-65 €/t. Ab 2028 soll der EU-Emissionshandel ETS2 für Gebäude und Verkehr übernehmen - dann ein Marktpreis statt Festpreis (der genaue ETS2-Startzeitpunkt wird auf EU-Ebene noch diskutiert, Detailstand vor Entscheidungen prüfen). Prognosen für den ETS2-Preis reichen von rund 99 €/t im Schnitt 2027-2030 (BloombergNEF) bis 120-150 €/t um 2030 und im Mittel rund 160 €/t bis 2035 (EWI). Das sind Szenarien, keine Fixwerte.

Umgerechnet auf Erdgas (Emissionsfaktor rund 0,201 kg CO2/kWh, zzgl. 19 % USt.):

CO2-PreisAufschlag auf GasMehrkosten bei 15.000 kWh/Jahr
45 €/t (2024)rund 0,8 ct/kWhrund 120 €
55 €/t (2025)rund 1,1 ct/kWhrund 165 €
100 €/t (Szenario)rund 2,0 ct/kWhrund 300 €
150 €/t (Prognose 2030)rund 3,0 ct/kWhrund 450 €
200 €/t (Prognose bis 2035)rund 4,0 ct/kWhrund 600 €

Jede Stufe erhöht die jährliche Ersparnis der Wärmepumpe und schiebt den Break-even nach vorn. Wer heute mit statischen Gaspreisen rechnet, unterschätzt die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe systematisch. Zur Einordnung: Wärmepumpen emittierten 2024 im Schnitt 64 % weniger CO2 als vergleichbare Gasheizungen (Fraunhofer ISE, deutscher Strommix 2024).

Die 20-Jahres-Vollkosten im Vergleich

Amortisation ist nur ein Zwischenschritt. Über die Lebensdauer entscheidet die Vollkostenbetrachtung mit allen Posten - auch denen, die viele Rechner weglassen: Wartung und CO2-Kosten. Das folgende Modell (angelehnt an die Vattenfall-Modellrechnung, die sich auf die Agora-Studie beruft) legt die Annahmen offen.

PostenWärmepumpeGasheizung
Eigenanteil nach Förderung / Anschaffungrund 13.500 € (nach 55 %)rund 12.000 €
Energiekosten über 20 Jahre (mit Anstieg)Strom 35 ct, JAZ 3,5Gas 9 ct + CO2-Aufschlag
Wartung/Jahr150-350 €höher (Schornsteinfeger, Abgasmessung, Brennerreinigung)
CO2-Kostenkeine direktensteigend (siehe oben)
Gesamt nach 20 Jahrenrund 64.500 €rund 79.320 €

Ergebnis im Modell: rund 15.000 € Vorteil für die Wärmepumpe nach 20 Jahren, Break-even nach etwa 8 Jahren. Wichtig zur Ehrlichkeit: In dieser Vattenfall-Rechnung ist die Wartung nicht eingepreist - die Wartungsdifferenz spricht aber tendenziell weiter für die Wärmepumpe, da beim Gaskessel Schornsteinfeger und Abgasmessung anfallen. Lebensdauer beider Systeme: 15-20 Jahre (moderne Wärmepumpen bis 25).

Regionale Preise, Förderung und Fachbetriebe für deinen Ort

Amortisation hängt stark von lokalen Strom- und Gastarifen sowie kommunalen Zusatzförderungen ab. Auf den Stadt-Seiten von Wärmepedia findest du regionale Richtwerte - für ein konkretes Angebot lohnt der Vergleich mehrerer Fachbetriebe.

Angebote von Fachbetrieben vergleichen

Wann sich die Wärmepumpe (noch) nicht rechnet

Ehrlich benannt - in diesen Fällen ist die Amortisation grenzwertig oder bleibt aus:

In allen anderen Fällen gilt: mit passendem Heizsystem, Förderung und einer realistischen JAZ ab etwa 3,0 rechnet sich die Wärmepumpe gegenüber Gas verlässlich - meist innerhalb von 8-15 Jahren, oft schneller.

Häufige Fragen

Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
Ja, sofern Vorlauftemperatur und Heizflächen passen. Die Fraunhofer-ISE-Feldmessung (03.11.2025) fand keine Abhängigkeit zwischen Gebäudealter und Effizienz - Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichten im Bestand im Mittel eine JAZ von 3,4. Ein hoher Gasverbrauch im Altbau bedeutet zudem eine große jährliche Ersparnis, was die Amortisation verkürzt.
Amortisiert sich eine Wärmepumpe ohne Förderung?
Oft nur schwer. Die RWTH-Aachen/Octopus-Vollkostenanalyse (28.03.2025) kommt zu dem Ergebnis, dass die Wärmepumpe mit Radiatoren ohne Förderung in vielen Szenarien innerhalb von 20 Jahren nicht wirtschaftlich ist. Mit Fußbodenheizung und steigendem CO2-Preis kann sie sich aber auch ohne Zuschuss rechnen.
Wärmepumpe oder neue Gasheizung - was ist günstiger?
Über 20 Jahre meist die Wärmepumpe. Im Vattenfall-Modell liegt sie bei rund 64.500 € gegenüber rund 79.320 € für Gas, Vorteil rund 15.000 €, Break-even nach etwa 8 Jahren. Der steigende CO2-Preis auf Gas verstärkt den Vorteil über die Zeit.
Wie viel spart eine Wärmepumpe pro Jahr gegenüber Gas?
Das hängt von Verbrauch, JAZ und Tarifen ab. Bei rund 15.000-20.000 kWh Wärmebedarf, JAZ 3,5 und heutigen Preisen liegen typische Ersparnisse im mittleren dreistelligen bis vierstelligen Bereich pro Jahr - mit §14a-EnWG-Wärmepumpenstrom (20-25 ct/kWh) oder PV-Eigenstrom (5-10 ct/kWh) deutlich mehr.
Wie wirkt sich der CO2-Preis auf die Amortisation aus?
Er beschleunigt sie. 2025 lag der Aufschlag bei rund 1,1 ct/kWh Gas, der Korridor 2026/27 bei 55-65 €/t. Prognosen sehen im ETS2 bis 2030 rund 120-150 €/t, das entspricht rund 3,0 ct/kWh oder etwa 450 € pro Jahr bei 15.000 kWh. Diese steigenden Gaskosten erhöhen die jährliche Ersparnis der Wärmepumpe.
Verkürzt eine PV-Anlage die Amortisation?
Deutlich. Nutzt die Wärmepumpe eigenen Solarstrom (rund 5-10 ct/kWh) statt Netzstrom (26-35 ct/kWh), sinken die Betriebskosten stark. Anbieter nennen bis zu 75 % Energiekostenersparnis und Amortisationszeiten deutlich unter 10 Jahren - diese Werte sind optimistisch und setzen hohen Eigenverbrauch voraus.
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
15-20 Jahre, moderne Geräte bis 25 Jahre - vergleichbar mit einer Gas-Brennwertheizung (Schnitt rund 15 Jahre). Die jährliche Wartung liegt bei 150-350 €, meist unter der einer Gasheizung, da Schornsteinfeger, Abgasmessung und Brennerreinigung entfallen.
Welche JAZ braucht die Wärmepumpe, damit sie sich rechnet?
Als Faustwert ab etwa 3,0. Reale Feldwerte liegen bei Luft/Wasser um 3,4 und bei Erdreich um 4,3 (Fraunhofer ISE). Je höher die JAZ, desto weniger Strom und desto kürzer die Amortisation - der Sprung von JAZ 3,5 auf 4,0 kann eine 8-Jahres-Amortisation auf rund 6 Jahre drücken.

Quellen