Wärmepumpe: Wann amortisiert sie sich gegenüber Gas?
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Realistisch amortisiert sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe in 8-15 Jahren, gerechnet als Eigenanteil nach Förderung gegen die jährliche Ersparnis. Mit hoher Förderung (bis 70 %) und guten Voraussetzungen sind 5-7 Jahre erreichbar.
- Die Vollkostenanalyse von Octopus Energy und der RWTH Aachen (28.03.2025) zeigt: mit Förderung amortisieren sich die Mehrkosten gegenüber Gas bei Fußbodenheizung in 5-6 Jahren, mit Radiatoren in 8-13 Jahren.
- Entscheidend sind fünf Hebel: Förderhöhe, Heizkörpertyp, Effizienz (JAZ), Gasverbrauch und der steigende CO2-Preis. Reale Feld-JAZ (Fraunhofer ISE, 03.11.2025): Luft/Wasser rund 3,4, Erdreich rund 4,3.
- Der CO2-Preis auf Gas wirkt als Beschleuniger: von rund 1,1 ct/kWh (2025) über den Korridor 55-65 €/t bis zu prognostizierten 120-150 €/t im ETS2 ab Ende der 2020er - das verschiebt den Break-even Jahr für Jahr nach vorn.
- Ohne Förderung und mit Radiatoren kann die Wärmepumpe innerhalb von 20 Jahren grenzwertig oder unwirtschaftlich bleiben. Ehrlichkeit gehört dazu.
Amortisations-Rechner: Wärmepumpe gegenüber Gas
Trage deine Werte ein. Der Rechner zieht die Förderung ab (gedeckelt auf die förderfähigen Höchstkosten von 30.000 € und einen maximalen Zuschuss von 21.000 €) und teilt den Eigenanteil durch die jährliche Ersparnis.
Die kurze Antwort: Amortisation nach 5-15 Jahren
Es gibt nicht die eine Amortisationszahl. Seriöse Studien und Ratgeber landen bei einer Bandbreite, weil der Ausgang stark von Gebäude, Förderung und Preisen abhängt. Statt einer geschönten Einzelzahl liefern wir drei ehrliche Fälle.
Best Case: 5-7 Jahre
Fußbodenheizung (niedrige Vorlauftemperatur, hohe JAZ), hoher Gasverbrauch als Ausgangsbasis und die volle Förderung von 70 %. Die RWTH-Aachen/Octopus-Analyse nennt für Fußbodenheizung mit Förderung 5-6 Jahre bis zum Ausgleich der Mehrkosten (Vollkostenanalyse, 28.03.2025). Der Sprung von 55 % auf 70 % Förderung senkt den Eigenanteil bei rund 28.000 € Investition um etwa 4.200 € und zieht den Break-even um grob 4-6 Jahre nach vorn.
Real Case: 8-15 Jahre
Der typische Bestand mit Förderung um 55 %, gemischte Heizkörper und durchschnittlicher Verbrauch. Enpal nennt 8-15 Jahre, 1KOMMA5° für den Bestand mit Förderung 7-10 Jahre, Vattenfall rund 8 Jahre in einer 20-Jahres-Modellrechnung. Die RWTH/Octopus-Studie verortet Radiatoren-Fälle mit Förderung bei 8-13 Jahren. Das deckt sich mit unserer Empfehlung, mit 8-15 Jahren zu planen.
Worst Case und Grenzfall: über 15 Jahre oder nie
Radiatoren mit hoher Vorlauftemperatur (niedrige JAZ), niedriger Verbrauch und keine oder geringe Förderung. Die RWTH/Octopus-Analyse ist hier deutlich: ohne Förderung ist die Wärmepumpe mit Radiatoren in vielen Szenarien innerhalb von 20 Jahren nicht wirtschaftlich. Der Studienautor Bastian Gierull (CEO Octopus Energy Germany) fasst es so zusammen, sinngemäß: Eine Förderung bleibt vorerst nötig, damit die Wärmepumpe in allen Gebäuden und Preisszenarien die günstigere Wahl ist.
Erst mal klären: Amortisation gegenüber WAS?
Ein Großteil der widersprüchlichen Zahlen im Netz kommt daher, dass zwei völlig verschiedene Vergleiche durcheinandergehen.
Mehrkosten gegenüber einer neuen Gasheizung (der faire Vergleich)
Wer ohnehin die Heizung tauschen muss, sollte nur die Differenz rechnen: Eigenanteil Wärmepumpe minus Kosten einer neuen Gas-Brennwerttherme. Eine Gastherme kostet im Bestand rund 8.000-15.000 € (Verbraucherzentrale BW: etwa 10.000 €), eine Luft/Wasser-Wärmepumpe 20.000-40.000 € vor Förderung. Nach 55-70 % Förderung liegt der Wärmepumpen-Eigenanteil oft bei 11.000-25.000 €. Auf Basis dieser Mehrkosten fallen kurze Amortisationszeiten von 4-9 Jahren.
Volle Investition gegenüber "alte Heizung weiterlaufen lassen"
Wer die funktionierende Gasheizung eigentlich behalten könnte, muss die komplette Investition gegen die jährliche Ersparnis stellen. Das ergibt logischerweise längere Zeiten, meist 8-15 Jahre. Beide Rechnungen sind korrekt - sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.
Warum im Netz so widersprüchliche Zahlen kursieren
Anbieter zeigen gern den optimalen Fall (Fußbodenheizung, PV-Strom, 70 % Förderung, hoher Verbrauch). SHK-Betriebe rechnen häufig gegen alte Öl- oder Nachtspeicherheizungen, bei denen der Austausch in 3-5 Jahren steht. Neutrale Portale nennen breite Spannen von 10-18 Jahren. Achte immer darauf, gegen was gerechnet wird und ob Wartung und CO2-Preis enthalten sind.

So rechnet man die Amortisation selbst
Die einfache Formel
Amortisationszeit (Jahre) = Eigenanteil nach Förderung ÷ jährliche Ersparnis gegenüber Gas. Für den fairen Vergleich setzt du statt des vollen Eigenanteils die Mehrkosten gegenüber einer neuen Gasheizung ein. Der Rechner oben nimmt dir das ab.
Unsere Annahmen-Box (Stand 2026)
- Investition Wärmepumpe: 27.000-40.000 € vor Förderung (Luft/Wasser, Bestand), Sole/Wasser höher wegen Bohrung. Quelle: Verbraucherzentrale.
- Förderung (KfW 458 / BEG): 30 % Grundförderung + 20 % Klimageschwindigkeitsbonus + 30 % Einkommensbonus (zu versteuerndes Einkommen bis 40.000 €, nur Selbstnutzer) + 5 % Effizienzbonus. Maximal 70 %. Förderfähige Höchstkosten 30.000 € (erste Wohneinheit), maximaler Zuschuss 21.000 €. Vermieter maximal 35 %.
- Energiepreise (Momentaufnahme Q1-Q2 2026): Erdgas rund 10-12 ct/kWh, Wärmepumpenstrom rund 26-27 ct/kWh, mit §14a-EnWG-Tarif 20-25 ct/kWh, PV-Eigenstrom 5-10 ct/kWh.
- Effizienz (JAZ): reale Feldwerte Luft/Wasser rund 3,4, Erdreich rund 4,3 (Fraunhofer ISE, 03.11.2025). Wirtschaftlich ab JAZ etwa 3,0.
- Preissteigerung: jährlicher Anstieg bei Gas plus CO2-Preis; als Szenario, nicht als Garantie.

Die 5 Einflussgrößen, die alles entscheiden
1. Förderung: 55 % vs. 70 % verschiebt den Break-even um 4-6 Jahre
Der stärkste Hebel auf den Eigenanteil. Wichtig: Der Zuschuss wird auf die förderfähigen Höchstkosten von 30.000 € berechnet und ist auf 21.000 € gedeckelt. Rechne also nie einfach "70 % vom Rechnungsbetrag", wenn die Investition über 30.000 € liegt. Den Einkommensbonus (plus 30 %) gibt es nur für Selbstnutzer mit zu versteuerndem Haushaltseinkommen bis 40.000 €.
2. Effizienz (JAZ): reale Feldwerte statt Laborwert
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom herauskommen. Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Anlagen im Bestand gemessen: Luft/Wasser im Mittel 3,4 (Spanne 2,6-4,9), erdgekoppelt 4,3 (3,6-5,4). Bemerkenswert: keine Abhängigkeit zwischen Gebäudealter und Effizienz - Wärmepumpen laufen auch im Altbau effizient, wenn Vorlauftemperatur und Heizflächen passen. Bei 20.000 kWh Wärmebedarf sinkt der Stromverbrauch von rund 5.715 kWh (JAZ 3,5) auf rund 5.000 kWh (JAZ 4,0); ein durchgerechnetes Beispiel bringt die Amortisation dadurch von 8 auf 6 Jahre.
3. Heizkörpertyp: Fußbodenheizung vs. Radiatoren
Der zweitgrößte Hebel. Große Heizflächen erlauben niedrige Vorlauftemperaturen und damit eine hohe JAZ. Genau deshalb trennt die RWTH/Octopus-Studie sauber: Fußbodenheizung 5-6 Jahre, Radiatoren 8-13 Jahre (jeweils mit Förderung). Alte, kleine Radiatoren mit 55 °C Vorlauf sind der häufigste Grund für lange Amortisationszeiten.
4. Gasverbrauch und Dämmzustand (das Altbau-Paradox)
Je mehr Gas heute verbraucht wird, desto mehr Euro spart die Wärmepumpe pro Jahr - und desto schneller amortisiert sie sich. Ein schlecht gedämmter Altbau mit hohem Verbrauch amortisiert die Wärmepumpe oft schneller als ein sparsames Effizienzhaus, bei dem die absolute Ersparnis klein bleibt.
5. Der CO2-Preis auf Gas
Der oft übersehene Beschleuniger. Er verteuert Gas Jahr für Jahr und verkürzt damit die Amortisation - dazu der eigene Abschnitt.
CO2-Preis als Amortisations-Beschleuniger
Der nationale CO2-Preis (BEHG) lag 2024 bei 45 €/t, 2025 bei 55 €/t, für 2026 und 2027 gilt ein Übergangskorridor von 55-65 €/t. Ab 2028 soll der EU-Emissionshandel ETS2 für Gebäude und Verkehr übernehmen - dann ein Marktpreis statt Festpreis (der genaue ETS2-Startzeitpunkt wird auf EU-Ebene noch diskutiert, Detailstand vor Entscheidungen prüfen). Prognosen für den ETS2-Preis reichen von rund 99 €/t im Schnitt 2027-2030 (BloombergNEF) bis 120-150 €/t um 2030 und im Mittel rund 160 €/t bis 2035 (EWI). Das sind Szenarien, keine Fixwerte.
Umgerechnet auf Erdgas (Emissionsfaktor rund 0,201 kg CO2/kWh, zzgl. 19 % USt.):
| CO2-Preis | Aufschlag auf Gas | Mehrkosten bei 15.000 kWh/Jahr |
|---|---|---|
| 45 €/t (2024) | rund 0,8 ct/kWh | rund 120 € |
| 55 €/t (2025) | rund 1,1 ct/kWh | rund 165 € |
| 100 €/t (Szenario) | rund 2,0 ct/kWh | rund 300 € |
| 150 €/t (Prognose 2030) | rund 3,0 ct/kWh | rund 450 € |
| 200 €/t (Prognose bis 2035) | rund 4,0 ct/kWh | rund 600 € |
Jede Stufe erhöht die jährliche Ersparnis der Wärmepumpe und schiebt den Break-even nach vorn. Wer heute mit statischen Gaspreisen rechnet, unterschätzt die Wirtschaftlichkeit der Wärmepumpe systematisch. Zur Einordnung: Wärmepumpen emittierten 2024 im Schnitt 64 % weniger CO2 als vergleichbare Gasheizungen (Fraunhofer ISE, deutscher Strommix 2024).
Die 20-Jahres-Vollkosten im Vergleich
Amortisation ist nur ein Zwischenschritt. Über die Lebensdauer entscheidet die Vollkostenbetrachtung mit allen Posten - auch denen, die viele Rechner weglassen: Wartung und CO2-Kosten. Das folgende Modell (angelehnt an die Vattenfall-Modellrechnung, die sich auf die Agora-Studie beruft) legt die Annahmen offen.
| Posten | Wärmepumpe | Gasheizung |
|---|---|---|
| Eigenanteil nach Förderung / Anschaffung | rund 13.500 € (nach 55 %) | rund 12.000 € |
| Energiekosten über 20 Jahre (mit Anstieg) | Strom 35 ct, JAZ 3,5 | Gas 9 ct + CO2-Aufschlag |
| Wartung/Jahr | 150-350 € | höher (Schornsteinfeger, Abgasmessung, Brennerreinigung) |
| CO2-Kosten | keine direkten | steigend (siehe oben) |
| Gesamt nach 20 Jahren | rund 64.500 € | rund 79.320 € |
Ergebnis im Modell: rund 15.000 € Vorteil für die Wärmepumpe nach 20 Jahren, Break-even nach etwa 8 Jahren. Wichtig zur Ehrlichkeit: In dieser Vattenfall-Rechnung ist die Wartung nicht eingepreist - die Wartungsdifferenz spricht aber tendenziell weiter für die Wärmepumpe, da beim Gaskessel Schornsteinfeger und Abgasmessung anfallen. Lebensdauer beider Systeme: 15-20 Jahre (moderne Wärmepumpen bis 25).
Regionale Preise, Förderung und Fachbetriebe für deinen Ort
Amortisation hängt stark von lokalen Strom- und Gastarifen sowie kommunalen Zusatzförderungen ab. Auf den Stadt-Seiten von Wärmepedia findest du regionale Richtwerte - für ein konkretes Angebot lohnt der Vergleich mehrerer Fachbetriebe.
Angebote von Fachbetrieben vergleichenWann sich die Wärmepumpe (noch) nicht rechnet
Ehrlich benannt - in diesen Fällen ist die Amortisation grenzwertig oder bleibt aus:
- Sehr niedriger Verbrauch: Im gut gedämmten Effizienzhaus ist die absolute Ersparnis klein, die Zeit dadurch lang.
- Radiatoren plus kein Förderanspruch: Die kritischste Kombination - laut RWTH/Octopus in vielen Szenarien binnen 20 Jahren nicht wirtschaftlich.
- Baldiger Auszug: Wer in wenigen Jahren verkauft, holt die Investition selbst nicht mehr herein (der Wiederverkaufswert kann das teils ausgleichen).
- Geplanter Fernwärmeanschluss: Steht der Anschluss bevor, kann die Wärmepumpe eine Fehlinvestition sein - hier lohnt der Blick in den kommunalen Wärmeplan.
In allen anderen Fällen gilt: mit passendem Heizsystem, Förderung und einer realistischen JAZ ab etwa 3,0 rechnet sich die Wärmepumpe gegenüber Gas verlässlich - meist innerhalb von 8-15 Jahren, oft schneller.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Wärmepumpe im Altbau überhaupt?
Amortisiert sich eine Wärmepumpe ohne Förderung?
Wärmepumpe oder neue Gasheizung - was ist günstiger?
Wie viel spart eine Wärmepumpe pro Jahr gegenüber Gas?
Wie wirkt sich der CO2-Preis auf die Amortisation aus?
Verkürzt eine PV-Anlage die Amortisation?
Wie lange hält eine Wärmepumpe?
Welche JAZ braucht die Wärmepumpe, damit sie sich rechnet?
Quellen
- Octopus Energy Germany + Lehrstuhl für Gebäude- und Raumklimatechnik (E.ON ERC), RWTH Aachen: Vollkostenanalyse Wärmepumpe vs. Gas, berichtet von pv-magazine (Stand 28.03.2025)
- Fraunhofer ISE: Projekt "Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand" - reale JAZ und CO2-Einsparung (Stand 03.11.2025)
- BAFA / Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) und KfW 458: Förderstruktur und Höchstbeträge (Förderstand 2026)
- Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) / DEHSt / EU-Kommission ETS2: CO2-Preis-Pfad (Rechtsstand 2026)
- BloombergNEF und EWI: ETS2-Preisprognosen (2025/2026, Szenarien)
- Verbraucherzentrale Baden-Württemberg / RLP: Anschaffungskosten Gas und Wärmepumpe (Stand Mitte 2025)
- Vattenfall: 20-Jahres-Modellrechnung, beruft sich auf Agora-Studie "Durchbruch für die Wärmepumpe" (Öko-Institut/Fraunhofer ISE, 2022)
- Umweltbundesamt: Emissionsfaktor Erdgas (rund 0,201 kg CO2/kWh)